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01.07.2021

Paper of the Month 06/2021

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Frequency and phenotype of thalamic aphasia.

Porträt von Dr. med. Ida Rangus
Dr. med. Ida Rangus
Porträt von Prof. Dr. med. Christian H. Nolte
Prof. Dr. med. Christian H. Nolte

Rangus I, Fritsch M, Endres M, Udke B, Nolte CH.
J Neurol. 2021 Jun 8. doi: 10.1007/s00415-021-10640-4. Online ahead of print.
PMID: 34100990

Spannend ist die Beobachtung, dass aphasische Störungen nicht nur bei Läsionen im fronto-parieto-temporalen Kortex der sprachdominanten Hemisphäre auftreten. Sprachstörungen können auch nach subkortikalen, etwa thalamischen Läsionen beobachtet werden. Die Sprachstörung bei thalamischen Läsionen scheint dabei besondere Charakteristika aufzuweisen. Aber bisher fehlen systematische Untersuchungen zur Häufigkeit und Phänotyp der sogenannten thalamischen Aphasie.

Das Ziel dieser prospektiven Studie war es, die Häufigkeit der thalamischen Aphasie infolge von akuten, isolierten, einseitigen ischämischen Läsionen im Thalamus zu erfassen und verschiedenen thalamischen Läsionslokalisationen zuzuordnen. Zusätzlich wurde die thalamischen Aphasie nach betroffenen sprachlichen Domänen und dem Schweregrad der Defizite charakterisiert.

Patienten mit isolierten, akuten, ischämischen Thalamusläsionen am Campus Benjamin Franklin wurden prospektiv in die Studie eingeschlossen. Die genaue Läsionslokalisation wurde mithilfe der 3-Tesla Magnetresonanztomographie des Kopfes festgestellt. Die thalamischen Läsionslokalisationen wurden in die anteriore, posteriore, paramediane und inferolaterale Subregion unterteilt. Die Sprache wurde in der Akutphase mittels der standardisierten, validierten Aphasie Check Liste (ACL), evaluiert. Die Aphasie wurde definiert als ein ACL Summenscore < 135 (Spannweite: 0-148).

Von 52 Patienten [44% weiblich, medianes Alter: 73 Jahre (IQR: 60–79)] erfüllten 23 (44%) die Definitionskriterien einer Aphasie – deutlich mehr als vor dem Hintergrund der aktuellen Literatur vermutet. Bei diesen Patienten waren die akuten thalamischen Läsionen in fast allen thalamischen Subregionen und auf beiden Seiten zu finden. Die Sprachdefizite zeigten sich in den Domänen „komplexes Sprachverständnis“ und „Wortflüssigkeit“. Bei Patienten mit links-anterioren thalamischen Läsionen war die Sprachstörung am stärksten ausgeprägt (ACL Summenscore im Vergleich zu allen anderen Patienten: 117 ± 13 vs. 135 ± 8; p < 0.001). Aphasische Patienten mit links-anterioren thalamischen Läsionen zeigten im Vergleich zu den aphasischen Patienten mit allen anderen Läsionslokalisationen signifikante Defizite in den Domänen „verbale Kommunikationsfähigkeit“, „Wortflüssigkeit“ und „Benennen“ (alle p ≤ 0.001) und weisen also distinkte Eigenschaften auf.

Zusammenfassend konnte unsere prospektive, standardisierte Studie aphasische Störungen bei fast der Hälfte der Patienten mit fokalen thalamischen Läsionen nachweisen. Die thalamische Aphasie war dabei nicht auf eine spezifische Läsionslokalisation innerhalb des Thalamus begrenzt, aber bei Patienten mit links-anterioren thalamischen Läsionen am deutlichsten ausgeprägt und einen besonderen Phänotyp aufweisend.

Patienten mit Läsionen im Thalamus werden von uns weiterhin erfasst. Im nächsten Schritt bereiten wir Netzwerkanalysen vor.

Dr. med. Ida Rangus ist Assistenzärztin an der Klinik für Neurologie und in der AG Nolte tätig. Ihr wissenschaftliches Interesse liegt im Bereich der kognitiven Neurologie. Aktuell untersucht sie die Rolle des Thalamus in der Sprachverarbeitung vor dem Hintergrund der Sprachnetzwerke.

Prof. Dr. med. Christian H. Nolte ist Oberarzt an der Klinik für Neurologie und leitet das Team für klinische Studien (Trial Team) am Centrum für Schlaganfallforschung Berlin (CSB) sowie die Arbeitsgruppe klinische Schlaganfallforschung.

Die Veröffentlichung des Monats wird jeden Monat von den Direktoren des CSB aus den Veröffentlichungen des CSB und der Klinik für Neurologie der Charité ausgewählt.

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Dr. rer. medic. Lucia Kerti

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